Wälder gegen den Klimawandel


Wie Galileo uns gelehrt hat, sind Fußballfelder optimal, um Fläche darzustellen. So geht der Erde alle 2 Sekunden eine Waldfläche mit der Größe eines Fußballfelds verloren. Auf ein ganzes Jahr hochgerechnet, geht somit mehr als die gesamte Fläche der Schweiz an Waldfläche verloren, jährlich zwischen 2010 und 2020 4,7 Millionen Hektar. Seit 1990 sind insgesamt rund 180 Millionen Hektar Waldfläche verschwunden.

Doch wieso genau ist die aktuelle Entwicklung so fatal und wozu brauchen wir den Wald überhaupt? Genau dies möchten wir euch in diesem Blogbeitrag einmal genauer aufzeigen. 

 
Wozu wird Wald gebraucht?

Zum einen bringt der Wald eine sehr hohe Diversität mit sich und bietet Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren und Pflanzenarten. Tiere profitieren vom Schutz und den Nahrungsangeboten des Waldes. Durch die immer kleiner werdende Waldfläche verkleinert sich somit auch der Lebensraum dieser Tiere und Pflanzen und dadurch auch die Artenvielfalt insgesamt. Kurz gesagt: Durch die steigenden Rodungen löschen wir immer mehr Lebensraum aus.

Auch ist sein Nutzen gegenüber Umweltrisiken beachtenswert. Durch die Aufnahme der Bäume von Wasser kann der Wald vor Hochwasser schützen, sowie vor weiteren Risiken, wie Erosionen. 

Für uns Menschen sind Bäume ebenfalls von entscheidender Bedeutung. So produzieren sie durch Photosynthese Sauerstoff als Abfallprodukt, welcher für uns lebenswichtig ist. Zusätzlich hält der Wald auch das Grundwasser rein, da Bäume das Wasser im Boden filtern. So entsteht für uns wertvolles Trinkwasser.

Neben diesen bereits wichtigen Gründen ist zusätzlich noch der globale Effekt des Waldes auf den Klimawandel zu berücksichtigen. So ist der Wald für das Klima von essenzieller Bedeutung und spielt als gigantischer Kohlenstoffspeicher und Klimaregulator eine entscheidende Rolle im Kampf gegen den Klimawandel. Durch die steigende Abholzung weltweit entsteht jedoch ein gefährlicher Kreislauf. Der Verlust von Waldfläche sorgt für mehr Kohlenstoff in der Atmosphäre. Dadurch wird die Klimaerwärmung beschleunigt und weitere Wälder werden krank oder sterben ab. Dies liegt daran, dass die Anpassung der Baumarten an ihre Standorte abnimmt, Insekten und Pilze sich wiederum wegen kürzerer Generationszeiten wesentlich schneller an die wechselnden Umweltbedingungen anpassen können.


Wo entsteht das Problem?

Wenn ihr euch nun fragt, wieso immer mehr Wald verschwindet, obwohl dieser ja so wichtig ist, dann habt ihr das große Problem bereits entdeckt. Der Grund dafür ist ein Zielkonflikt zwischen dem Nutzen des Waldes und dem Nutzen der Ressourcen des Waldes. Wie ihr gerade erfahren habt, ist der Wald aus einer Vielzahl von Gründen enorm wichtig, allerdings sind die Ressourcen des Waldes für den Menschen ebenfalls von großer Bedeutung. So werden schon seit dem Mittelalter zunehmend Bäume gerodet, da diese damals bereits zum Heizen und Bauen genutzt wurden. So entstand das langwierige Problem, dass der Wald entscheidend mehr gerodet wird, als wieder aufgeforstet.

Die Hauptgründe für die enorme Rodung heutzutage sind die Landwirtschaft, nicht nachhaltig ausgeübte Holzwirtschaft und in der Vergangenheit immer verheerender werdende Waldbrände. Jüngstes Beispiel sind die Brände in Australien Anfang 2020. Der Wald leidet aber auch durch den steigenden Konsum von Fleisch, Futtermitteln und Holz.

Dies ist ein globales Problem, dass für uns alle gleichermaßen von Bedeutung ist. Doch trotzdem wird in der Politik seit Jahrzehnten keine effiziente Lösung gefunden. Dies resultiert aus einer Vielzahl von Gründen, generell der wichtigste hierbei ist, dass für ein globales Problem auch eine globale Lösung gefunden werden muss, an die sich alle Länder gleichermaßen halten. Aufgrund zahlreicher politischer Spannungen und unterschiedlicher Werte scheint dies allerdings in absehbarer Zeit nicht umsetzbar. Es entsteht ein Gefangenendilemma. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist außerdem die fehlende Aufmerksamkeit und Handlungsbereitschaft der Politik in diesem Bereich.

Problematisch ist aber auch die Einstellung der Unternehmen in unserer kapitalistisch geprägten Kultur. Unternehmen stellen sich viel zu oft die Frage, wie der maximale Profit für das Unternehmen und die Aktionäre erzielt werden kann und nicht, wie die Umwelt geschützt werden kann. So tragen auch Unternehmen einen großen Anteil an der Rodung bei, fühlen sich aber viel zu selten für eine erneute Aufforstung verantwortlich. 

Zusätzlich wird potenziell aufforstbare Fläche oftmals anderweitig genutzt, wie zum Beispiel für die Viehzucht, die das Klima zusätzlich belastet. In Deutschland alleine ist ein Potenzial von alleine über 3 Millionen Hektar aufforstbarer Fläche vorhanden. Europaweit ist die Summe bei insgesamt etwa 51 Millionen Hektar potenziell aufforstbarer Fläche (weltweit etwa 900 Millionen).

Was muss geschehen?

Das Interesse der Konsumenten ist ein entscheidender Aspekt für die Strategie vieler Unternehmen. Anstatt sich die Frage zu stellen, wie der maximale Erfolg erzielt werden kann, müssen diese sich in Zukunft häufiger die Frage stellen, wie der Umwelt bestenfalls geholfen werden kann. Wichtig ist dafür, den Menschen genau jetzt den Wald wieder nahezubringen und aufzuzeigen, wieso genau dieser für alle von uns gleichermaßen von Bedeutung ist. Durch eine steigende Nachfrage an Nachhaltigkeit (und Waldfläche) sind Unternehmen dann in Zukunft dazu gezwungen diese Themen in ihre Strategie einfließen zu lassen.

Das große Glück ist, dass die Ressource Wald nicht endlich ist und man somit durch die richtige Verteilung von Aufforstung und Rodung einen entscheidenden Teil zur Lösung beitragen kann. Laut dem Weltklimarat sind eine Milliarde Hektar neue Waldflächen im Kampf gegen den Klimawandel nötig. Allerdings kann Geld alleine keine Bäume pflanzen. Es bedarf an Unternehmungen, die mit innovativen Lösungen so effizient wie möglich Bäume pflanzen. Dazu muss die Lösung sein, Gebiete mit klimawandelresistenten Baumarten aufzuforsten und die zur Verfügung stehende Fläche so effizient wie möglich zu nutzen.

Da in der Politik keine zufriedenstellende Lösung gefunden werden kann, liegt die Verantwortung bei uns allen, ein Teil der Lösung zu sein! 

 Von: Marvin Baly

Quellen:

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit(2018): Die Bedeutung und Funtkionen des Waldes [online]https://www.umwelt-im-unterricht.de/hintergrund/die-bedeutung-und-funktionen-des-waldes/ [13.03.2021] 

Focus (2019): Zwölf Millionen Hektar Tropenwald pro Jahr zerstört
[online]https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1171552/umfrage/veraenderung-der-globalen-waldflaeche/ [13.03.2021]

Pieter von Midwoud of Ecosia (2021): How can planting trees save our planet? - Apple Pdcasts
[online]https://podcasts.apple.com/de/podcast/19-pieter-van-midwoud-ecosia-how-can-planting-trees/id1518482597?i=1000510418437

Statista (2020): Jährliche Veränderung der globalen Waldfläche nach Jahrzehnt zwischen 1990 und 2020
[online]https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1171552/umfrage/veraenderung-der-globalen-waldflaeche/ [14.03.2021]