Das 1,5 Grad Ziel: Warum wir etwas ändern müssen

Das 1,5 Grad Ziel beschreibt das Klimaziel, das im Pariser Übereinkommen Ende 2015 formuliert wurde. Hier hatten fast 190 Vertragsparteien aus der ganzen Welt auf der Pariser Klimakonferenz eine Klimaschutzvereinbarung geschlossen. Ein wichtiges Ziel, auf das man sich geeinigt hatte, war, dass die durchschnittliche, globale Temperaturerhöhung auf 1,5 Grad Celsius begrenzt wird. So sollen die Auswirkungen und damit verbundenen Risiken des Klimawandels reduziert werden. Hierfür braucht es ehrgeizige Ziele. Würden die heutigen CO2-Emissionen sich ungebremst weiterentwickeln, würde die 1,5 Grad Schwelle bereits in wenigen Jahren überschritten werden. Doch das hätte für uns alle verheerende Konsequenzen.

Warum wir etwas verändern müssen

Dieses Bild hat unser Gründer Julian vor wenigen Tagen, im Februar 2021, in Pforzheim aufgenommen. Es macht deutlich, dass sich dringend etwas verändern muss. Was auf die Treppe geschrieben wurde, sind die Auswirkungen, die auf uns zukommen, wenn wir das 1,5 Grad Ziel nicht erreichen und sich die durchschnittliche globale Temperaturerhöhung über 1,5 Grad entwickelt.

1,2 Grad: Aktuell

1,5 Grad: Hitzewellen, Fluten, Dürren

2 Grad: Tödliche Hitzewellen, Essensknappheit

3 Grad: Dürren und Hungersnöte bei Milliarden

4 Grad: Hunderte überschwemmte Städte

5 Grad: Großteil der Erde unbewohnbar


Wir wollen nicht die mahnenden Belehrenden sein. Aber es muss dringend etwas geschehen. Ansonsten werden wir lernen müssen, mit Waldsterben, Dürren und Ernteausfällen zu leben.

Und die Auswirkungen sind laut Wissenschaftlern bereits bei einer Erwärmung von 1,5 Grad, wie sie angestrebt wird, sehr groß. Doch trotzdem weitaus weniger dramatisch, als bei 2 Grad und mit einer Chance, sich an die Veränderungen anzupassen. Die Aussicht, die Erwärmung der Erde wirklich auf 1,5 Grad zu begrenzen, ist dabei heute schon unwahrscheinlich. Es ist bereits absehbar, dass die Klimaschutzziele nicht erreicht werden können.

 Was wir tun können

Das sind natürlich sehr schlechte Aussichten, von denen wir uns aber nicht demotivieren lassen dürfen. Im Gegenteil: Große Ziele inspirieren zu großen Taten. Und genau das brauchen wir: Taten und keine Worte, Ablenkungstaktiken oder leere Versprechen. Probleme können Antrieb für neue und innovative Lösungen sein. Doch wir müssen auch bereit sein, wirklich etwas zu verändern. Wir stehen vor der größten Herausforderung unserer Zeit. Natürlich braucht es dann auch große Einschnitte.

Zunächst ist es unabdingbar, dass wir uns als Gesellschaft verändern. Viele der 1,5 Grad-Szenarien setzen alleine auf ungebrochenes Wirtschaftswachstum und technologische Veränderungen. Gesellschaftliche und politische Veränderungen werden kaum berücksichtigt. Doch hier liegt ein großer Hebel, der auch bedient werden muss. Durch Veränderungen in unserem Alltag und Lebensstil können wir das 1,5 Grad Ziel vor allem auch sozial gerechter erreichen. Natürlich braucht man hierfür aber auch politische Rahmenbedingungen.

Hier einige konkrete Bereiche, in denen wir alle etwas bewirken können.

Verkehr: Öffentliche Verkehrsmittel, Radfahren oder Laufen statt Auto fahren

Fliegen: Persönliche Zahl der Flüge analysieren und Entscheidungen treffen, wie diese Anzahl zumindest in den kommenden Jahren reduziert werden kann (beispielsweise von zwei Flügen im Jahr auf einen Flug alle zwei Jahre. Es gibt auch regional spannende Reiseziele.)

Ernährung: Lebensmittelverschwendung reduzieren und bewusst einkaufen. Besonders auf Fleisch so oft wie möglich verzichten.

Konsum: Auf Tauschkonzepte, Recycling oder gebrauchte Güter setzen. Bewusster leben und kaufen. Hier ist auch das Minimalismus-Konzept interessant. Was brauche ich wirklich?

Laut Schweizer Forscher sind das wichtige Maßnahmen, um etwas gegen den Klimawandel zu tun. Doch das effektivste Mittel ist die Aufforstung. Laut einer Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich können mehr Bäume auf der Erde der Klimaerwärmung stärker entgegenwirken als angenommen. Laut den Ergebnissen könnte das 1,5 Grad Ziel so noch erreicht werden. Sie argumentieren, dass Wälder den Planeten kühl halten. Bäume fangen CO2 aus der Atmosphäre und speichern es in ihren Wurzeln, Stämmen und dem Boden. Das Problem: Weltweit verschwinden jährlich Waldflächen. Investitionen in die Aufforstung müssen her. Wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse belegen, könnten neue Wälder über 200 Milliarden Tonnen Kohlenstoff speichern, nachdem sie herangewachsen sind. Doch es muss schnell etwas geschehen, denn es wird einige Jahre gehen, bis die Bäume gewachsen sind und sie ihr volles Potenzial als CO2-Speicher nutzen können.

Genügend Fläche zur Aufforstung gibt es laut den Forschern. Ihnen zufolge stehen 900 Millionen Hektar weltweit zur Verfügung. Zum Vergleich: Das ist fast die Fläche der USA oder 25 Mal die Fläche Deutschlands. Die Forscher ließen städtischen Raum außer Acht und konzentrierten sich auf die potenzielle Aufforstung zerstörter Ökosysteme.

Wir sind uns sicher: Den Bäumen gehört die Zukunft. Sie werden ein wichtiges Mittel im Kampf gegen den Klimawandel sein.

  

Quellen:

Charisius, Hanno (2019): Lasst uns Milliarden Bäume pflanzen [online] https://www.sueddeutsche.de/wissen/russland-china-usa-brasilien-klimawandel-wald-baeume-co2-treibhausgas-1.4513739  [02.03.2021].

Europäische Kommission (o.J.): Übereinkommen von Paris [online] https://ec.europa.eu/clima/policies/international/negotiations/paris_de [02.03.2021].

Gesundheitsstadt Berlin (2020): Klimawandel – Darum ist Aufforstung so wichtig [online]https://www.gesundheitsstadt-berlin.de/klimawandel-darum-ist-aufforstung-so-wichtig-14480/  [02.03.2021].

Kirchner, Sandra (2020): Klimaschutz vom Ziel her gedacht [online] https://www.klimareporter.de/deutschland/klimaschutz-vom-ziel-her-gedacht [02.03.2021]. 

Moinzukunft Hamburg (o.J.): Was ist eigentlich… das 1,5 Grad-Ziel? [online] https://moinzukunft.hamburg/was-ist-eigentlich/12151532/was-ist-eigentlich-das-1-5-grad-ziel/ [02.03.2021].  

Schneider, Linda (2021): Warum der klimawissenschaftliche Mainstream in die Sackgasse führt [online] https://www.klimareporter.de/gesellschaft/warum-der-klimawissenschaftliche-mainstream-in-die-sackgasse-fuehrt [02.03.2021].      

Steffen, Jan (2016): Klimaschutz: Wie ist das 1,5 Grad-Ziel zu erreichen? [online]https://www.geomar.de/news/article/klimaschutz-wie-ist-das-15-grad-ziel-zu-erreichen [02.03.2021].